Rollitraining 2014

Am 18.10.2014 veranstaltete der Förderverein MS-Treff Erkrath e.V. für die Mit­glieder des MS-Treff Erkrath ein Rollstuhl-Training unter Leitung von Dr. Horst Stroh­kendl (Lehrwart des Deutschen Rollstuhlsportverbandes). Silke beschreibt ihre Motivation zum und ihre Erfahrungen beim Training.

© Privat
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Ich wurde gebeten einen kleinen Erfahrungs-bericht über den Rollstuhlgebrauch zu schreiben. Ma­che ich sehr gerne, nur wie soll ich anfangen? Am besten starte ich mit einem meiner Lieblingssprü­che.

„Wenn Sie jemanden sehen, der an den Rollstuhl gefesselt ist: binden Sie ihn los!“

Ich bin eine ganz normale MS´lerin mit schubförmigem Verlauf, gerade frisch 50 Jahre alt gewor­den und man sieht mir meine Behinderung nicht an. Ich kann ganz gut laufen und auch sonst vieles, aber ich kann es oft nicht lange. Ihr kennt das vielleicht auch, wenn plötzlich einfach der Akku leer ist und wenn man es übertreibt, dass man eine ganze Zeit braucht bis es einem wieder besser geht?

Oft habe ich gesagt „Nein, macht das ohne mich! Ich schaffe das nicht.“, wenn Familien­ausflüge ge­plant wur­den oder Veranstaltungen mit langen Stehzeiten und weiten Wegen, Mar­tinszüge, Kon­zerte, manchmal einfach alles... Das war richtig doof, man isoliert sich selbst und klinkt sich über­all aus, schiebt Frust und är­gert sich, weil nicht mehr alles einfach mal so klappt wie früher. Meine Freunde, Töchter und mein Mann konnten das nicht gut nachvollzie­hen und haben leider sehr oft auf Unternehmun­gen verzichtet, was mich dann auch wieder ge­ärgert hat.

Ich habe viel gegrübelt, mich selbst bemitleidet und Frust gehabt. Nur wie soll man das ändern, wenn man ein­fach keine Kraftreserven hat und sich zu nichts mehr aufraffen kann? Die Lösung für mich war, ich habe mit meinem Neurologen über ein Rollstuhlrezept gesprochen. Das war nicht ein­fach, ich musste meinen ganzen Mut zusammen nehmen, aber ich wollte wieder mehr mitmachen und nicht wie ein Miesepeter zu Hause sitzen.

 

© Privat
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Wenn ich jetzt beim Hundespaziergang mitten im Wald stehe oder im Freizeitpark anfange wie ein Zombie zu lau­fen, dann nutze ich den Rollstuhl - nun­mehr seit ca. 4 Jahren. Ich muss sagen, es ist ein blödes Gefühl den Rolli zu schieben und sich dann bei Bedarf hinein zu setzen oder wieder aufzuste­hen. Wenn meine Mitmenschen mich bei solchen Gelegen­heiten ansehen als wäre ich ein Si­mulant und ich bin in frecher Stimmung, dann hebe ich die Arme und sage schon mal „Ich kann wieder gehen!“ Das gibt immer lustige Gesichter. Man muss sich ein dickeres Fell zulegen, viele Men- schen wissen es nicht besser und wie sollen sie es lernen?

Erst in einer Reha habe ich selbst festgestellt, dass man nicht zwangsläufig an den Rollstuhl „gefes­selt“ ist, son­dern man vielleicht nur seine Kräfte einteilen muss. Wenn man das als potentieller Roll­stuhl-Kandidat schon nicht weiß, sollte man andere Menschen nicht verurteilen, sondern aufklären. Das Bild in der Öffentlichkeit muss sich einfach ändern, es geht doch vielen Menschen wie mir.

Ich möchte einfach ein gutes Wort für den Rollstuhl als Hilfsmittel einlegen. Er ist mein Ruhepunkt, er hilft mir wenn ich eine Pause brauche, er lässt mich weitere Strecken in Angriff nehmen. Er ist ein Weg aus der Isolation! Traut euch ruhig selbst in einen Rollstuhl, nutzt Angebote um ihn einfach mal auszupro­bieren.

Denn der Rollstuhl ist ein tolles Sportgerät, das richtig viel Spaß macht! Ich bin seit ca. zwei Jahren in ei­ner MS­-Selbsthilfegruppe und tolle Menschen aus der Gruppe haben ein Rollstuhl-Fahrtraining orga­nisiert. So war ich mit mei­ner Tochter als Begleitung bei diesem Training in einer Turnhalle. Die ande­ren Teilnehmer und Begleitpersonen kann­ten sich zum größten Teil und die Stimmung war gelöst und super. Wir haben viel gelacht und auch viel ge­lernt.

Der Leiter unseres Kurses, Dr. Horst Strohkendl, hatte verschiedene Rollstühle dabei, die jeder auspro­bieren durfte und ich habe mich in einem sportlichen Aktivrollstuhl versucht, der sich sehr leicht vom Rolli­fahrer ankippen lässt, ganz anders als mein eigener. Ich muss mich selbst ganz ehrlich, als ewigen Sport­muffel be­zeichnen, doch mit die­sem Rollstuhl konnte ich so gut die Übungen meistern, dass ich mich schon riesig auf eine Wiederholung freue! Mehr Tricks lernen!

Wenn ich in Zukunft mal mehr im Rolli sitzen sollte – alles gut, ich schaffe den Bordstein auch ganz allei­ne! Habt den Mut, nutzt Angebote um das Gefühl zu Testen - probiert es einfach aus, es ist ein Ge­winn an Lebens­qualität! Vielleicht begegnen wir uns ja mal? Ich bin die, die trotzdem lacht!

Liebe Grüße eure

Silke vom MS-Treff Erkrath